Aus sächsischen Gewässern
Die Artenvielfalt unserer Fischereibetriebe

Spiegelkarpfen - Cyprinus carpio
- Wissenschaftlicher Name: Cyprinus carpio
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
- Größe & Gewicht: Durchschnittlich 35–50 cm (bis 120 cm möglich); Gewicht meist 2–3 kg (Kapitale weit über 30 kg).
- Lebenserwartung: Bis zu 30–50 Jahre.
- Nahrung: Allesfresser; wühlt im Schlamm (gründeln) nach Insektenlarven, Schnecken und Würmern, frisst auch Pflanzenteile
Der Spiegelkarpfen ist eine Zuchtform des eurasischen Wildkarpfens, die sich durch vereinzelte Riesenschuppen auszeichnet und deren gezielte Haltung vor allem im Mittelalter durch Mönche als Fastenspeise vorangetrieben wurde. Sachsen ist nach Bayern der zweitgrößte Karpfenproduzent Deutschlands und erzeugt auf rund 8.000 Hektar Teichfläche jährlich bis zu 1.665 Tonnen Speisekarpfen. Biologisch zeichnet sich der extrem widerstandsfähige Fisch durch ein vorstülpbares Rüsselmaul und hochempfindliche Barteln zur Nahrungssuche im Bodenschlamm aus.

Schleie - Tinca tinca
- Wissenschaftlicher Name: Tinca tinca
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae), geordnet in einer eigenen Unterfamilie (Tincinae).
- Größe & Gewicht: Meist 25–40 cm und 0,5–2 kg (Ausnahmefische selten bis 70 cm und 7 kg).
- Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre.
- Nahrung: Sucht am Grund nach Schnecken, Muscheln, Insektenlarven und frisst gelegentlich Algenaufwuchs.
Die Schleie ist die einzige Art ihrer Gattung und wird neben der olivgrünen Wildform auch als gold-orangefarbene Goldschleie für Zierteiche gezüchtet. Im Mittelalter galt sie wegen ihrer auffallend dicken, schützenden Schleimhaut als heilender „Doktorfisch“ und wird traditionell als wertvoller Nebenfisch in der Karpfenteichwirtschaft gehalten. In Sachsen wächst die langsam wüchsige Schleie als seltene Speise-Delikatesse oder begehrter Besatzfisch für Angelgewässer heran, wo für sie ein gesetzliches Mindestmaß von 25 cm gilt. Biologisch zeichnet sich diese Überlebenskünstlerin durch eine extreme Widerstandsfähigkeit gegenüber Sauerstoffmangel aus. Dies erlaubt es ihr, Krisenzeiten in einer Art Starre im Schlamm zu überdauern. Zudem lassen sich die Männchen optisch leicht an ihren großen, löffelförmigen Bauchflossen erkennen.

Sibirischer Stör - Acipenser baerii
- Wissenschaftlicher Name: Acipenser baerii
- Familie: Störe (Acipenseridae)
- Größe & Gewicht: In der Zucht meist 80–140 cm und 5–20 kg (in seiner sibirischen Heimat im Extremfall bis zu 2 Meter lang und über 200 kg schwer).
- Lebenserwartung: Kann ein Alter von 50 bis 60 Jahren erreichen.
- Nahrung: Sucht am Boden nach Zuckmückenlarven, Würmern, kleinen Weichtieren und Krebsen.
Der Sibirische Stör ist eine anpassungsfähige Störart aus den großen russischen Flusssystemen mit drei geografischen Formen, von denen der Lena-Stör das Rückgrat der europäischen Fischzucht bildet. Nach dem Kollaps der Wildbestände im 20. Jahrhundert wurde die Art in den 1970er-Jahren nach Europa importiert und ist heute der am häufigsten gezüchtete Stör für die nachhaltige ganzjährige Kaviar- und Fleischproduktion in Sachsen. Biologisch ist der frostresistente Fisch optimal an verschiedene Wassertemperaturen angepasst, besitzt eine spitzere Schnauze zur Bodennahrungssuche und benötigt bis zur Geschlechtsreife mehrere Jahre Geduld.

Europäischer Wels - Silurus glanis
- Wissenschaftlicher Name: Silurus glanis
- Familie: Echte Welse (Siluridae)
- Größe & Gewicht: Der größte rein im Süßwasser lebende Fisch Europas. Er erreicht meist 100–170 cm, kann unter optimalen Bedingungen jedoch über 250 cm lang und weit über 100 kg schwer werden.
- Lebenserwartung: Sehr langlebig; er kann 60 bis 80 Jahre alt werden.
- Nahrung: Als gefräßiger Raubfisch ernährt er sich von Fischen, Krebsen, Fröschen und im Alter auch von Wasservögeln sowie kleineren Säugetieren (z. B. Wasserratten).
Der Europäische Wels, auch Waller genannt, ist der unangefochtene Riese unserer heimischen Süßwasserfauna. Frei von Schuppen und geschützt durch eine extrem glatte Schleimhaut, nimmt dieser imposante Bodenbewohner eine exklusive Rolle in der sächsischen Fischerei ein. Neben der klassischen Teichwirtschaft, die den Wels als wertvollen Besatz- und Speisefisch kultiviert, nutzen innovative sächsische Betriebe die Abwärme regionaler Biogasanlagen, um den wärmeliebenden afrikanischen Verwandten nachhaltig in modernen Kreislaufsystemen heranzuziehen. Biologisch fasziniert der nachtaktive Jäger durch seine sechs charakteristischen Bartfäden, die ihm als hochempfindliches Antennensystem bei der Nahrungssuche im Dunkeln dienen. Da wildlebende Welse im Freistaat im Frühjahr einer strengen Schonzeit sowie einem Mindestmaß von 80 Zentimetern unterliegen, stammt das ganzjährig angebotene, absolut grätenfreie und herrlich feste Fleisch in den sächsischen Hofläden aus kontrollierter, nachhaltiger Aufzucht.

Hecht - Esox lucius
- Wissenschaftlicher Name: Esox lucius
- Familie: Esocidae (Hechte)
- Größe & Gewicht: Männchen meist 50–80 cm, Weibchen deutlich größer mit bis zu 140 cm; Gewicht liegt meist bei 2–10 kg (Großhechte über 20 kg).
- Lebenserwartung: Kann ein Alter von 10 bis 15 Jahren (in Ausnahmen über 20 Jahre) erreichen.
- Nahrung: Strikt räuberisch; frisst Fische aller Art (auch kleinere Artgenossen), Frösche, Krebse und sogar Wasservögel oder kleine Säugetiere.
Der Europäische Hecht ist der bekannteste und faszinierendste Raubfisch unserer heimischen Gewässer. Schon seit dem Mittelalter als edler Festtagsfisch geschätzt, nimmt das imposante Tier mit dem charakteristischen, zahnbewehrten Entenschnabel-Maul eine unverzichtbare Rolle in der sächsischen Teichwirtschaft ein. Sächsische Fischereibetriebe setzen den perfekt getarnten Lauerjäger gezielt als biologischen „Gesundheitspolizisten“ ein, um die Bestände von futterneidischen Kleinfischen natürlich zu regulieren. Biologisch zeichnet sich der pfeilschnelle Einzelgänger durch seine enorme Explosivkraft beim Jagdsprint aus dem Schilf sowie einen ausgeprägten Kannibalismus von frühester Jugend an aus. Da der Speisehecht im Freistaat vorwiegend als wertvoller Beifisch während der herbstlichen Teichfischerei geerntet wird und in freien Gewässern im Frühjahr einer strengen Schonzeit sowie einem Mindestmaß von 50 Zentimetern unterliegt, gilt sein mageres, festes Fleisch im regionalen Hofladen als begehrte, saisonale Delikatesse.

Zander - Sander lucioperca
- Wissenschaftlicher Name: Sander lucioperca
- Familie: Echte Barsche (Percidae)
- Größe & Gewicht: Meist 40–70 cm und 1–4 kg (Großzander selten bis über 100 cm und 15 kg).
- Lebenserwartung: Kann ein Alter von 10 bis 15 Jahren erreichen.
- Nahrung: Streng räuberisch; jagt vor allem kleine, schlanke Freiwasserfische (z. B. Ukeleis, Plötzen, Barsche).
Der Europäische Zander gilt als der edelste und eleganteste Raubfisch unserer Heimat. Wegen seines mageren, festen und nahezu grätenfreien Fleisches bereits seit Jahrhunderten in der gehobenen Gastronomie geschätzt, nimmt der scheue Jäger in der sächsischen Teichwirtschaft eine exklusive Sonderrolle ein. Da er in klassischen Teichen nur in geringen Mengen als kostbarer Beifisch heranwächst, gilt der Speisezander im sächsischen Hofladen als absolute Rarität. Biologisch fasziniert der nachtaktive Einzelgänger durch seine charakteristischen Glasaugen, die einfallendes Restlicht wie ein Restlichtverstärker spiegeln und ihm eine präzise Jagd in der Dämmerung ermöglichen. Während wildlebende Bestände in Sachsens Gewässern im Frühjahr durch eine Schonzeit und ein Mindestmaß von 50 Zentimetern streng geschützt werden, erfordert seine anspruchsvolle Aufzucht und die Pflege der Brutnester durch sächsische Teichwirte ein Höchstmaß an fischereilichem Fingerspitzengefühl.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom
Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.






