Teichleben
Wer wohnt hier und wer stiftet Unruhe?
Ein gesunder Teich ist ein faszinierender Ort voller Leben. Im Wasser, am schilfbewachsenen Ufer und tief im Schlamm verborgen existiert eine perfekt aufeinander abgestimmte Wohngemeinschaft. Doch in einer professionellen Teichwirtschaft teilen die Bewohner den Platz nicht immer friedlich. Während einige Tiere und Pflanzen wichtig für das biologische Gleichgewicht sind, gibt es auch ungebetene Gäste. Diese Räuber können den mühsam gezüchteten Fischbestand in kürzester Zeit stark gefährden.
Die Bewohner im Wasser

Spiegelkarpfen
Der Spiegelkarpfen ist der unangefochtene Hauptakteur in der heimischen Teichwirtschaft. In den flachen, warmen Zuchtteichen kommt er bestens mit wenig Sauerstoff zurecht. Sein Hauptmerkmal sind die wenigen, sehr großen Spiegelschuppen auf der sonst nackten Haut, was ihn leicht verarbeitbar macht. Mit seinem hochrückigen Körper sucht er im schlammigen Boden nach Larven und Krebsen, wird in der Zucht jedoch zusätzlich mit Getreide gefüttert.

Schuppenkarpfen
Der Schuppenkarpfen ist die vollständig beschuppte Stammform des Spiegelkarpfens und ein wichtiger Teichwirtschafts-Bewohner. In den flachen, warmen Zuchtteichen wird er als Speisefisch sowie als robuster Besatzfisch für Angelgewässer produziert. Sein Hauptmerkmal ist das lückenlose, schützende Schuppenkleid. Der oft etwas schlankere Fisch sucht im Schlamm nach Kleintieren und wächst durch zusätzliche Getreidefütterung schnell heran.

Graskarpfen
Der Graskarpfen ist ein großer, schlanker Fisch, der wie ein kleiner Unterwasser-Torpedo aussieht und ursprünglich aus Asien kommt. Er ist ein echter Unterwasser-Rasenmäher, weil er als erwachsener Fisch am liebsten den ganzen Tag lang Algen und Wasserpflanzen futtert. Genau deshalb setzen die Teichwirte in Sachsen ihn gerne in ihre Fischteiche: Er frisst dort einfach das störende Grünzeug weg und räumt den Teich sauber.

Schleie
Die Schleie ist ein typischer und wertvoller Bewohner der heimischen Teichwirtschaft. In den flachen, krautreichen Zuchtteichen dient sie sowohl als feiner Speisefisch als auch als sehr begehrter Besatzfisch für Angelgewässer. Ihr Hauptmerkmal ist die olivgrüne, schleimige Haut mit winzigen, tief sitzenden Schuppen und auffallend roten Augen. Der extrem robuste Fisch sucht im Schlamm nach Schnecken und Insektenlarven, gilt als vorsichtiger Fresser und kommt im Gegensatz zu den Karpfen fast gänzlich ohne zusätzliche Getreidefütterung aus.

Hecht
Der Hecht ist der wichtigste Raubfisch in der heimischen Teichwirtschaft. In den flachen Zuchtteichen erfüllt er eine wichtige Rolle als „Gesundheitspolizei“ und wird zudem als sehr begehrter Besatzfisch für Angelgewässer sowie als edler Speisefisch produziert. Sein Hauptmerkmal ist der langgestreckte, pfeilförmige Körper mit einem entenschnabelartigen Maul voller spitzer Zähne. Der perfekt getarnte Lauerjäger ernährt sich ausschließlich von anderen Fischen – insbesondere von kranken oder zu dicht stehenden Weißfischen – und benötigt daher keine Getreidefütterung.

Zander
Der Zander ist neben dem Hecht ein hochgeschätzter Raubfisch in der heimischen Teichwirtschaft. In den flachen, trüberen Zuchtteichen reguliert er auf natürliche Weise den Bestand an kleineren Fischen. Er wird gezielt als edler Speisefisch sowie als sehr begehrter Besatzfisch für Angelgewässer produziert. Sein Hauptmerkmal ist der torpedoförmige Körper mit einer stacheligen Rückenflosse und auffällig großen, glasigen Augen, die perfekt an das Jagen im Trüben angepasst sind. Er jagt im Freiwasser bevorzugt kleine Weißfische und benötigt für sein Wachstum ebenfalls keine Getreidefütterung.

Barsch
Der Barsch ist ein gestreifter Raubfisch mit feuerroten Flossen und einer stacheligen Rückenflosse, der wie ein kleiner Unterwasser-Wolf jagt. Er frisst am liebsten Insektenlarven, Krebse und kleinere Fische. In der sächsischen Teichwirtschaft hilft er den Teich von zu vielen kleinen Fischen freizuhalten. Gleichzeitig ist er wegen seines grätenarmen, leckeren Fleisches ein sehr beliebter Speisefisch und bei Anglern wegen seiner großen Kampfkraft beim Fangen extrem beliebt.

Wels
Der Wels (auch Waller genannt) ist der größte Raubfisch in der heimischen Teichwirtschaft. In den flachen, warmen Zuchtteichen kontrolliert er effektiv den Bestand an kleineren Fischen und wird sowohl als grätenarmer Speisefisch als auch als kampfstarker Besatzfisch für Angelgewässer produziert. Sein Hauptmerkmal ist der schuppenlose, langgestreckte Körper mit einem riesigen Maul und sechs auffälligen Bartfäden, die ihm als Tast- und Geruchsorgane dienen. Der nachtaktive Räuber frisst neben Fischen auch Krebse oder Amphiben und benötigt als reiner Fleischfresser keine Getreidefütterung.

Stör
Der Stör ist ein urtümlicher Teichwirtschafts-Bewohner mit sehr hohen Ansprüchen. Er benötigt tiefere, strömungsreiche Teiche mit dauerhaft hoher Wasser- und Sauerstoffqualität. Produziert wird er als exklusiver Speisefisch zur Kaviar-Gewinnung sowie als edler Besatzfisch für Angelgewässer. Sein Hauptmerkmal ist der langgestreckte, haiförmige Körper mit fünf Reihen Knochenplatten und einer spitzen Bartelschnauze. Mit dem ausstülpbaren Maul saugt der Bodenfisch Würmer, Krebse und Schnecken auf. Da er im Winter aktiv bleibt, wird er ganzjährig mit sinkenden Spezialpellets gefüttert.

Aal
Der Aal ist ein schlangenförmiger, nachtaktiver Raubfisch mit einer extrem schlüpfrigen Haut und einem fantastischen Geruchssinn. Er jagt am liebsten Würmer, Krebse und kleine Fische. Da er eine riesige Reise hinter sich hat und im Süßwasser keine Babys bekommen kann, setzen sächsische Teichwirte junge Aale gezielt als wertvolle Nebenfische in ihre Gewässer ein. Dort wächst er langsam heran, bis er im Herbst abgefischt wird, um entweder als heiß begehrter, geräucherter Speisefisch im Laden zu landen oder um sächsische Angelgewässer zu bereichern, wo er wegen seiner enormen Kraft ein Lieblingsziel für Angler ist.

Blei / Brassen
Der Blei (oder Brassen) ist ein hochrückiger, plattgedrückter Friedfisch mit einem ausstülpbaren Rüsselmaul, mit dem er wie ein Staubsauger den Gewässergrund nach Würmern und Insektenlarven absucht. In den sächsischen Teichwirtschaften lebt er als ungeladener Nebenfisch, der den Zuchtkarpfen oft das Futter streitig macht. Aus diesem Grund fangen die Fischer ihn beim herbstlichen Abfischen fleißig aus den Teichen. Da er sehr viele Gräten hat, landet er meistens als feine Fischfrikadelle auf dem Teller oder wird von den Fischern an Angelvereine verkauft, da er bei Sportanglern ein sehr beliebter Zielfisch ist.

Rotfeder
Die Rotfeder ist ein wunderschöner, goldglänzender Friedfisch mit leuchtend roten Flossen und einem nach oben gerichteten Maul, mit dem sie Insekten von der Wasseroberfläche schnappt. Sie ernährt sich am liebsten von Algen und weichen Wasserpflanzen. In der sächsischen Teichwirtschaft lebt sie als geschätzter Nebenfisch, der beim Saubermachen der Teiche hilft und dessen Nachwuchs als wichtiges Futter für Raubfische dient. Da sie voller Gräten steckt, wird sie selten gegessen, ist aber wegen ihrer Schönheit und Nützlichkeit ein extrem beliebter Besatzfisch für sächsische Angelgewässer und heimische Gartenteiche.

Plötze / Rotauge
Die Plötze (oder das Rotauge) ist ein silberner Schwarmfisch mit auffällig roten Augen und rötlichen Flossen, der sich als unkomplizierter Allesfresser von kleinen Wassertieren und Algen ernährt. In der sächsischen Teichwirtschaft ist sie der wichtigste Nebenfisch überhaupt, da ihre riesigen Nachkommen-Schwärme als unentbehrliches Futter für wertvolle Raubfische dienen. Da sie im Teich aber auch den Karpfen das Futter wegschnappen kann, fangen die Fischer sie beim herbstlichen Abfischen fleißig aus den Gewässern. Wegen ihrer vielen Gräten wird sie meistens zu feinen Fischfrikadellen verarbeitet oder an Angelvereine verkauft, wo sie besonders bei Angel-Anfängern ein sehr beliebter und leicht zu fangender Fisch ist.

Sonnenbarsch
Der Sonnenbarsch ist ein kleiner, scheibenförmiger Fisch aus Nordamerika, der wegen seiner leuchtend blauen und orangefarbenen Punkte wie ein bunter Edelstein aussieht und ein rotes „Ohr-Abzeichen“ am Kopf trägt. Obwohl er wunderschön ist, ist er in der sächsischen Teichwirtschaft ein ungeliebter Gast, da er als gieriger Raubfisch die Eier und Babys der Nutzfische frisst. Beim herbstlichen Abfischen wird er deshalb streng aussortiert. Zum Essen ist er viel zu klein, aber wegen seiner Farbenpracht ist er ein beliebter Fisch für den heimischen Gartenteich oder das Aquarium.

Zwergwels
Der Zwergwels ist ein schuppenloser, dunkel gefärbter Fisch aus Nordamerika, den man an seinen acht langen Bartfäden und den spitzen, giftigen Flossenstacheln erkennt. Er lebt als nachtaktiver Allesfresser und plündert mit Vorliebe die Gelege anderer Fische. In der sächsischen Teichwirtschaft gilt er als schädlicher Plagegeist, weil er sich massenhaft vermehrt und den Nutzkarpfen das Futter streitig macht, weshalb er beim herbstlichen Abfischen konsequent aussortiert wird. Obwohl er klein ist, schmeckt sein festes Fleisch hervorragend und lässt sich leicht zubereiten, während er bei Anglern wegen seiner extremen Beißlaune als leicht zu fangender Fisch bekannt ist.
Die Nachbarn am Wasser
Pflanzenwelt (Aufgeteilt nach Teichzonen)

Tierwelt (Wasservögel, Insekten und Amphibien)

Die Diebe und unbeliebten Gesellen der Teichwirtschaften
Kormoran, Silberreiher, Waschbär und noch weitere die den Teichwirten das Leben schwer machen.

- Kormoran
- Ein Kormoran kann täglich viele Fische fressen.
- Größere Gruppen können innerhalb kurzer Zeit enorme Fischverluste verursachen.
- Für Teichwirte bedeutet das oft hohe finanzielle Schäden.
- Graureiher
- Lauert im flachen Wasser auf seine Beute.
- Frisst zahlreiche Jung- und Speisefische.
- Wiederholte Besuche können den Fischbestand deutlich verringern.
- Silberreiher
- Sucht wie der Graureiher nach Fischen in den Teichen.
- Kann besonders in flachen Bereichen erfolgreich jagen.
- Jeder gefangene Fisch bedeutet einen Verlust für die Teichwirtschaft.
- Fischadler
- Greift gezielt größere Fische aus der Luft.
- Obwohl er seltener vorkommt, können wertvolle Fische erbeutet werden.
- Seine Jagdkünste machen ihn zu einem erfolgreichen Fischjäger.
- Fischotter
- Gilt als einer der größten Herausforderungen für viele Teichbetriebe.
- Frisst Fische verschiedener Größen und jagt oft nachts.
- Kann erhebliche Fischverluste verursachen und ganze Teichbestände stark dezimieren.
- Waschbär
- Frisst Fische, Amphibien und Fischlaich.
- Plündert außerdem Nester von Wasservögeln.
- Kann dadurch zusätzlich die Tierwelt rund um den Teich beeinträchtigen
Der Biber
er klaut dem Teichwirt zwar keine Fische, aber wenn er sich sein zu Hause in einer Teichwirtschaft baut,
gibt es Probleme.

Der Biber ist in sächsischen Fischteichen kein süßes Kuscheltier, sondern ein echter Randalierer, der die Arbeit der Fischwirte zerstört. Sein größtes Hobby ist das Graben. Er buddelt riesige Tunnel in die Teichdämme. Dadurch werden die Dämme so wackelig, dass sie brechen können. Wenn die Fischer dann mit ihren schweren Traktoren darüberfahren, besteht Lebensgefahr, weil der Boden plötzlich unter ihnen wegbricht. Außerdem verstopft der Biber die Abflüsse der Teiche mit Stöcken und Schlamm. Wenn die Fischer das Wasser für die Ernte ablassen wollen, klappt das nicht richtig, und die Fische ersticken qualvoll in flachen Schlammlöchern.
Diese Schäden kosten unglaublich viel Geld, oft so viel, wie ein ganzes Einfamilienhaus wert ist. Der Fischer bleibt auf einem großen Teil der Kosten sitzen. Das Frustrierende ist, dass den Fischern die Hände gebunden sind. Weil der Biber streng geschützt ist, darf man ihn weder verjagen, noch seine Burgen zerstören oder ihn fangen. Die Fischer müssen also tatenlos zusehen, wie das Tier ihre Arbeit und ihre Teiche zerstört, ohne dass sie sich effektiv wehren dürfen.

