Ein Blick auf die Teichwirtschaft Deutschland
Die Gesamtfläche aller Karpfenteiche in Deutschland beläuft sich auf ca. 40.000 Hektar und basiert überwiegend auf traditioneller Flächennutzung. Sie kombiniert eine nachhaltige, naturnahe Nahrungsmittelproduktion mit ökologischen Mehrwert wie dem Artenschutz und dem Hochwasserrückhalt.
Die TOP 3

Bayern
In Bayern liegt mit knapp 20.000 Hektar fast die Hälfte der gesamten deutschen Karpfenteichfläche. Diese verteilen sich auf eine weltweit einzigartige, extrem kleinteilige Struktur von rund 8.000 meist im Nebenerwerb geführten Familienbetrieben. Die durchschnittliche Teichgröße beträgt lediglich 0,4 Hektar. Die Schwerpunkte liegen in Mittelfranken und der Oberpfalz. Bei der Produktionsmenge gab es einen leichten Rückgang auf knapp 1.700 Tonnen Speisekarpfen pro Jahr. Biologisch dominiert der Spiegelkarpfen als kulinarisches Aushängeschild der Region, ergänzt durch traditionellen Beibesatz wie Schleien, Zander und Hechte. Die Vermarktung ist konsequent regional. Ein Drittel wird direkt über die heimische Gastronomie abgesetzt, gefolgt von starker Eigenverwertung und dem Verkauf von Besatzfischen an lokale Angelvereine.

Sachsen
Sachsen stellt das zweite große Zentrum dar und bewirtschaftet eine Gesamtfläche von rund 8.000 Hektar. Im Gegensatz zu Bayern sind die Betriebe hier deutlich größer und werden meist im Haupterwerb betrieben. Das Herzstück der sächsischen Karpfenzucht liegt in der Oberlausitz. Die jährliche Erzeugung liegt bei stabilen 1.665 Tonnen Speisekarpfen, womit Sachsen fast gleichauf mit Bayern an der Bundesspitze liegt. Neben dem Spiegelkarpfen wird vermehrt Schuppenkarpfen erzeugt. Durch die naturnahe Haltung im UNESCO-Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft besitzt zertifizierter Biokarpfen hier einen besonders hohen Stellenwert. Da die erzeugten Mengen den lokalen Markt übersteigen, ist die sächsische Vermarktung überregionaler aufgestellt: Jeweils rund ein Drittel wird im eigenen Bundesland, in den restlichen neuen sowie in den alten Bundesländern abgesetzt. Neben dem Frischfischverkauf ab Hof und bei traditionellen herbstlichen Schaufischen setzt Sachsen stark auf die eigene Filetierung und Veredelung.

Brandenburg
Brandenburg verfügt über eine Karpfen-Produktionsfläche von knapp 3.000 Hektar. Wie in Sachsen sind die Teiche auch hier sehr groß und alt. Sie werden von Berufsfischern als Haupterwerb bewirtschaftet. In Brandenburg werden jedes Jahr zuverlässig etwa 505 Tonnen Speisekarpfen aus den Teichen geholt. Damit macht der Karpfen über zwei Drittel der gesamten brandenburgischen Aquakultur aus. Angebaut wird vorrangig der Spiegelkarpfen, wobei der Beibesatz durch Schleien, Welse, Hechte und in einigen Betrieben durch Störe ergänzt wird. Der vertriebliche Fokus liegt geografisch bedingt ganz klar auf dem Großraum Berlin. Die Vermarktung erfolgt über den regionalen Lebensmitteleinzelhandel sowie über ausgeprägte Hoflädenmärkte, die vor allem zur Haupternte im Herbst sowie zu den Feiertagen im Winter Spitzenumsätze erzielen.

Die Karpfenzucht in Tschechien bildet das Rückgrat der nationalen Aquakultur und macht das Binnenland zu einem der führenden Produzenten von Süßwasserfisch in Europa. Von der jährlichen Gesamtproduktion von rund 20.000 bis 21.000 Tonnen entfallen stolze 85 Prozent auf den Gemeinen Karpfen, was einer Menge von etwa 17.000 bis 18.000 Tonnen entspricht. Die dafür genutzte Infrastruktur umfasst ein riesiges Netzwerk von rund 24.000 Teichen, die sich über eine Gesamtfläche von 52.000 Hektar erstrecken, wovon über 41.000 Hektar aktiv fischereilich bewirtschaftet werden. Das unbestrittene Zentrum dieser Tradition liegt in Südböhmen rund um die Stadt Třeboň. Diese Region ist als UNESCO-Biosphärenreservat geschützt und beheimatet mit dem fast 500 Hektar großen Rožmberk-Teich auch das größte künstliche Gewässer des Landes.
Blick zu unseren Nachbarn
Tschechien
Die Ursprünge der tschechischen Teichwirtschaft reichen über 1.000 Jahre zurück bis ins 11. Jahrhundert, als Mönche die ersten künstlichen Gewässer anlegten, um die Versorgung mit Fisch als wichtiger Fastenspeise zu sichern. Ihr Goldenes Zeitalter erlebte die Zucht im 15. und 16. Jahrhundert unter der Herrschaft von Adelsgeschlechtern wie den Rosenbergern, als berühmte Teichbaumeister wie Josef Štěpánek Netolický und Jakub Krčín von Jelčany monumentale, miteinander verbundene Kanalsysteme wie den Goldenen Kanal schufen. In dieser Blütezeit schwoll die Teichfläche in Böhmen auf gigantische 180.000 Hektar an. Obwohl die Flächen im 18. und 19. Jahrhundert zur Gewinnung von Agrarland stark reduziert wurden, blieb die Kerninfrastruktur erhalten und wird heute als naturnahe, halbeintensive Teichwirtschaft erfolgreich weitergeführt.
In den tschechischen Gewässern wird traditionell die Methode der Polykultur angewendet, bei der verschiedene Fischarten gemeinsam gehalten werden, um das ökologische Gleichgewicht des Teichs auf natürliche Weise zu regulieren. Den absoluten Hauptanteil stellt der Karpfen, der sich zu etwa gleichen Teilen in Schuppen- und Spiegelkarpfen aufteilt und dessen südböhmische Variante unter der Bezeichnung Wittingauer Karpfen sogar einen geschützten EU-Herkunftsstatus genießt. Als nützliche Beifische werden pflanzenfressende Arten wie Gras- und Silberkarpfen eingesetzt, um Algenblüten einzudämmen. Hinzu kommen Raubfische wie Hecht, Zander, Flussbarsch und Wels, die den Bestand an unerwünschten Kleinfischen kontrollieren, sowie Friedfische wie Schleie und Brassen, während Salmoniden wie Forellen streng getrennt in separaten Intensivanlagen gezüchtet werden.
Die Vermarktung des tschechischen Karpfens ist durch eine extreme Saisonalität geprägt, da der Fisch das unangefochtene traditionelle Weihnachtsessen am Heiligabend darstellt und der Großteil des Inlandsabsatzes über den lebenden Straßenverkauf im Dezember erzielt wird. Da der heimische Markt den enormen Ertrag nicht allein verbraucht, besitzt die Branche einen starken Exportfokus und führt rund 60 bis 70 Prozent der Speisekarpfen aus, was Tschechien zum größten Exporteur von lebenden Karpfen in der Europäischen Union macht. Die wichtigsten Abnehmerländer im Ausland sind Deutschland, Polen, die Slowakei und Österreich. Während der Transport im Großhandel historisch bedingt fast ausschließlich als Lebendware zu Preisen von unter zwei Euro pro Kilogramm erfolgt, gewinnt die moderne Weiterverarbeitung zu küchenfertigen Filets, Räucherwaren und Fischfeinkost im Handel zunehmend an Bedeutung.
Aus sächsischen Gewässern
Die Artenvielfalt unserer Fischereibetriebe

Spiegelkarpfen - Cyprinus carpio
- Wissenschaftlicher Name: Cyprinus carpio
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
- Größe & Gewicht: Durchschnittlich 35–50 cm (bis 120 cm möglich); Gewicht meist 2–3 kg (Kapitale weit über 30 kg).
- Lebenserwartung: Bis zu 30–50 Jahre.
- Nahrung: Allesfresser; wühlt im Schlamm (gründeln) nach Insektenlarven, Schnecken und Würmern, frisst auch Pflanzenteile
Der Spiegelkarpfen ist eine Zuchtform des eurasischen Wildkarpfens, die sich durch vereinzelte Riesenschuppen auszeichnet und deren gezielte Haltung vor allem im Mittelalter durch Mönche als Fastenspeise vorangetrieben wurde. Sachsen ist nach Bayern der zweitgrößte Karpfenproduzent Deutschlands und erzeugt auf rund 8.000 Hektar Teichfläche jährlich bis zu 1.665 Tonnen Speisekarpfen. Biologisch zeichnet sich der extrem widerstandsfähige Fisch durch ein vorstülpbares Rüsselmaul und hochempfindliche Barteln zur Nahrungssuche im Bodenschlamm aus.

Schleie - Tinca tinca
- Wissenschaftlicher Name: Tinca tinca
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae), geordnet in einer eigenen Unterfamilie (Tincinae).
- Größe & Gewicht: Meist 25–40 cm und 0,5–2 kg (Ausnahmefische selten bis 70 cm und 7 kg).
- Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre.
- Nahrung: Sucht am Grund nach Schnecken, Muscheln, Insektenlarven und frisst gelegentlich Algenaufwuchs.
Die Schleie ist die einzige Art ihrer Gattung und wird neben der olivgrünen Wildform auch als gold-orangefarbene Goldschleie für Zierteiche gezüchtet. Im Mittelalter galt sie wegen ihrer auffallend dicken, schützenden Schleimhaut als heilender „Doktorfisch“ und wird traditionell als wertvoller Nebenfisch in der Karpfenteichwirtschaft gehalten. In Sachsen wächst die langsam wüchsige Schleie als seltene Speise-Delikatesse oder begehrter Besatzfisch für Angelgewässer heran, wo für sie ein gesetzliches Mindestmaß von 25 cm gilt. Biologisch zeichnet sich diese Überlebenskünstlerin durch eine extreme Widerstandsfähigkeit gegenüber Sauerstoffmangel aus. Dies erlaubt es ihr, Krisenzeiten in einer Art Starre im Schlamm zu überdauern. Zudem lassen sich die Männchen optisch leicht an ihren großen, löffelförmigen Bauchflossen erkennen.

Sibirischer Stör - Acipenser baerii
- Wissenschaftlicher Name: Acipenser baerii
- Familie: Störe (Acipenseridae)
- Größe & Gewicht: In der Zucht meist 80–140 cm und 5–20 kg (in seiner sibirischen Heimat im Extremfall bis zu 2 Meter lang und über 200 kg schwer).
- Lebenserwartung: Kann ein Alter von 50 bis 60 Jahren erreichen.
- Nahrung: Sucht am Boden nach Zuckmückenlarven, Würmern, kleinen Weichtieren und Krebsen.
Der Sibirische Stör ist eine anpassungsfähige Störart aus den großen russischen Flusssystemen mit drei geografischen Formen, von denen der Lena-Stör das Rückgrat der europäischen Fischzucht bildet. Nach dem Kollaps der Wildbestände im 20. Jahrhundert wurde die Art in den 1970er-Jahren nach Europa importiert und ist heute der am häufigsten gezüchtete Stör für die nachhaltige ganzjährige Kaviar- und Fleischproduktion in Sachsen. Biologisch ist der frostresistente Fisch optimal an verschiedene Wassertemperaturen angepasst, besitzt eine spitzere Schnauze zur Bodennahrungssuche und benötigt bis zur Geschlechtsreife mehrere Jahre Geduld.

Europäischer Wels - Silurus glanis
- Wissenschaftlicher Name: Silurus glanis
- Familie: Echte Welse (Siluridae)
- Größe & Gewicht: Der größte rein im Süßwasser lebende Fisch Europas. Er erreicht meist 100–170 cm, kann unter optimalen Bedingungen jedoch über 250 cm lang und weit über 100 kg schwer werden.
- Lebenserwartung: Sehr langlebig; er kann 60 bis 80 Jahre alt werden.
- Nahrung: Als gefräßiger Raubfisch ernährt er sich von Fischen, Krebsen, Fröschen und im Alter auch von Wasservögeln sowie kleineren Säugetieren (z. B. Wasserratten).
Der Europäische Wels, auch Waller genannt, ist der unangefochtene Riese unserer heimischen Süßwasserfauna. Frei von Schuppen und geschützt durch eine extrem glatte Schleimhaut, nimmt dieser imposante Bodenbewohner eine exklusive Rolle in der sächsischen Fischerei ein. Neben der klassischen Teichwirtschaft, die den Wels als wertvollen Besatz- und Speisefisch kultiviert, nutzen innovative sächsische Betriebe die Abwärme regionaler Biogasanlagen, um den wärmeliebenden afrikanischen Verwandten nachhaltig in modernen Kreislaufsystemen heranzuziehen. Biologisch fasziniert der nachtaktive Jäger durch seine sechs charakteristischen Bartfäden, die ihm als hochempfindliches Antennensystem bei der Nahrungssuche im Dunkeln dienen. Da wildlebende Welse im Freistaat im Frühjahr einer strengen Schonzeit sowie einem Mindestmaß von 80 Zentimetern unterliegen, stammt das ganzjährig angebotene, absolut grätenfreie und herrlich feste Fleisch in den sächsischen Hofläden aus kontrollierter, nachhaltiger Aufzucht.

Hecht - Esox lucius
- Wissenschaftlicher Name: Esox lucius
- Familie: Esocidae (Hechte)
- Größe & Gewicht: Männchen meist 50–80 cm, Weibchen deutlich größer mit bis zu 140 cm; Gewicht liegt meist bei 2–10 kg (Großhechte über 20 kg).
- Lebenserwartung: Kann ein Alter von 10 bis 15 Jahren (in Ausnahmen über 20 Jahre) erreichen.
- Nahrung: Strikt räuberisch; frisst Fische aller Art (auch kleinere Artgenossen), Frösche, Krebse und sogar Wasservögel oder kleine Säugetiere.
Der Europäische Hecht ist der bekannteste und faszinierendste Raubfisch unserer heimischen Gewässer. Schon seit dem Mittelalter als edler Festtagsfisch geschätzt, nimmt das imposante Tier mit dem charakteristischen, zahnbewehrten Entenschnabel-Maul eine unverzichtbare Rolle in der sächsischen Teichwirtschaft ein. Sächsische Fischereibetriebe setzen den perfekt getarnten Lauerjäger gezielt als biologischen „Gesundheitspolizisten“ ein, um die Bestände von futterneidischen Kleinfischen natürlich zu regulieren. Biologisch zeichnet sich der pfeilschnelle Einzelgänger durch seine enorme Explosivkraft beim Jagdsprint aus dem Schilf sowie einen ausgeprägten Kannibalismus von frühester Jugend an aus. Da der Speisehecht im Freistaat vorwiegend als wertvoller Beifisch während der herbstlichen Teichfischerei geerntet wird und in freien Gewässern im Frühjahr einer strengen Schonzeit sowie einem Mindestmaß von 50 Zentimetern unterliegt, gilt sein mageres, festes Fleisch im regionalen Hofladen als begehrte, saisonale Delikatesse.

Zander - Sander lucioperca
- Wissenschaftlicher Name: Sander lucioperca
- Familie: Echte Barsche (Percidae)
- Größe & Gewicht: Meist 40–70 cm und 1–4 kg (Großzander selten bis über 100 cm und 15 kg).
- Lebenserwartung: Kann ein Alter von 10 bis 15 Jahren erreichen.
- Nahrung: Streng räuberisch; jagt vor allem kleine, schlanke Freiwasserfische (z. B. Ukeleis, Plötzen, Barsche).
Der Europäische Zander gilt als der edelste und eleganteste Raubfisch unserer Heimat. Wegen seines mageren, festen und nahezu grätenfreien Fleisches bereits seit Jahrhunderten in der gehobenen Gastronomie geschätzt, nimmt der scheue Jäger in der sächsischen Teichwirtschaft eine exklusive Sonderrolle ein. Da er in klassischen Teichen nur in geringen Mengen als kostbarer Beifisch heranwächst, gilt der Speisezander im sächsischen Hofladen als absolute Rarität. Biologisch fasziniert der nachtaktive Einzelgänger durch seine charakteristischen Glasaugen, die einfallendes Restlicht wie ein Restlichtverstärker spiegeln und ihm eine präzise Jagd in der Dämmerung ermöglichen. Während wildlebende Bestände in Sachsens Gewässern im Frühjahr durch eine Schonzeit und ein Mindestmaß von 50 Zentimetern streng geschützt werden, erfordert seine anspruchsvolle Aufzucht und die Pflege der Brutnester durch sächsische Teichwirte ein Höchstmaß an fischereilichem Fingerspitzengefühl.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom
Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.






